Vigilant Inference Governor

ADR-0016: Ein unbestaetigtes Profil weitet die Marge, es verweigert nicht den Start

Status: Akzeptiert · 2026-09-01 Betrifft: Spec G-010 (Profile stale), L-014 (Umgebungsfingerprints) Ausloeser: Abgleich der Spezifikation gegen den Code; G-010 war nicht umgesetzt

Kontext

G-010 verlangt:

Model hash/Backendversion geändert. Altes Profil darf nicht stillschweigend als exakt gültig gelten.

Bis hierher hatte RuntimeProfile nur p50/p95/p99 und die Anzahl der Messungen. Wer eine Modelldatei austauschte oder Triton aktualisierte, plante weiter mit den alten Zahlen — und nichts meldete sich. Da die gesamte Admission Control auf dem Profil aufsetzt, ist das die unangenehmste Sorte Fehler: das System gibt weiter Zusagen, nur beruhen sie auf einer Messung, die nicht mehr zustaendig ist.

Zwei Fragen waren zu entscheiden: woran erkennt man die Aenderung, und was folgt daraus.

Entscheidung

Erkannt wird an einem Fingerabdruck aus dem, was das Backend ueber sich meldet: Servername und -version, Modellname, Modellversionen, Plattform und die Ein-/Ausgabesignatur. onetimer profile schreibt ihn in die Konfiguration, doctor und serve vergleichen ihn beim Start.

Der Hash ist ein von Hand implementiertes FNV-1a und nicht DefaultHasher — dessen Ergebnis darf sich laut eigener Dokumentation zwischen Rust-Versionen aendern, und ein Fingerabdruck, der nach einem Toolchain-Update anders lautet, wuerde bei jedem Upgrade falschen Alarm ausloesen. Eine Warnung, die zu oft grundlos kommt, wird abgeschaltet und schuetzt dann gar nichts mehr.

Bei Abweichung wird die Marge geweitet, nicht der Start verweigert. Das betroffene Modell startet mit einem Aufschlag von 40 Prozentpunkten auf die konfigurierte Sicherheitsmarge; der Boden bleibt die konfigurierte Marge, sodass der Online Estimator (WP11) bis dorthin zurueckregeln darf, sobald er eigene Messungen hat.

Warum nicht den Start verweigern

Der naheliegende Reflex waere, bei ungueltigem Profil abzubrechen. Das ist fuer einen Governor die falsche Richtung. Er sitzt auf einem Roboter zwischen Kamera und Steuerung; verweigert er den Dienst, faellt die Wahrnehmung komplett aus. Ein zu vorsichtig geplantes Modell liefert weniger Durchsatz — eine nicht gestartete Wahrnehmung liefert nichts.

Das ist dieselbe Richtung wie in ADR-0010: im Zweifel pessimistisch versprechen. Ein unbestaetigtes Profil ist Zweifel, kein Beweis.

Warum 40 Prozentpunkte

Der Wert muss nicht richtig sein, weil er nicht lange gilt: der Estimator misst binnen Sekunden selbst und korrigiert. Er muss nur zwei Eigenschaften haben — deutlich konservativ und begrenzt. Zu gross kostet Durchsatz, zu klein waere genau das stillschweigend falsche Versprechen, das G-010 verbietet.

Der Rueckweg ist bewusst langsam: RELAX_STEP ist ein Prozentpunkt je stabiler Phase, der Aufschlag also erst nach vierzig ruhigen Phasen abgebaut. Das folgt ADR-0013 — nach oben schnell, nach unten langsam.

Konsequenzen