Vigilant Inference Governor

06 — Verifikation, Experimente und Pilotfreigabe

Status: Test- und Abnahmeplan. Die hier beschriebenen neuen Experimente sind noch nicht ausgeführt. Vorhandene Nachweise stehen in Dokument 02.

1. Baselines: drei verschiedene Effekte getrennt prüfen

Compileroptimierung, Transportentfall und Scheduling werden nicht miteinander vermischt. Für jeden Vergleich bleiben Eingangsdaten, fachlicher Vertrag, Ausgabesemantik und Qualitätsgrenze gleich.

Vergleich Kontrollierter Unterschied Aussage
ORT/Triton gegen TRT/Triton, beide ohne Vigilant Runtime/Engine Was verbessert die Modellausführung allein?
TRT/Triton ohne gegen mit Vigilant Governor vor gleichem Server Bleibt die Policy nützlich?
TRT Direct mit einfacher Latest-/Prioritätspolicy gegen Vigilant Direct Policy bei gleichem Executor Nutzen über eine kleine Eigenlösung hinaus
Vigilant/Triton/TRT gegen Vigilant Direct/TRT Ausführungs-/Datenpfad Rechtfertigt die direkte Integration ihren Aufwand?
Qualifizierter Kundenstack, ggf. Holoscan, gegen ergänztes Vigilant realer Integrationsumfang Kaufrelevanter Mehrwert statt künstlichem FIFO-Gegner

TRT-Vergleiche verwenden dieselben Engines, soweit die Ausführungsbedingungen identisch bleiben. Ein Layout-spezifischer Neubau ist ein separater Faktor. Bei Runtimewechseln ist Qualitätsgleichheit zu prüfen, nicht bitweise Identität zu behaupten. Alle Baselines erhalten ein vergleichbares Tuningbudget.

Triton-Baselines umfassen passende Instanzzahlen, begrenzte Queues, Batching-/Timeout-Policies und die bereits erprobte gemeinsame Rate-Limiter- Ressource. Eine konfigurierte Ressource und reine Prioritäten werden getrennt benannt. Kein Rückgriff auf eine schwächere Einstellung, nur weil der Faktor damit größer ist.

2. Messvertrag vor dem ersten Lauf

Je Verbraucher schriftlich festlegen:

Diese Werte werden vom Betreiber vorgegeben, nicht aus dem besten Messlauf abgeleitet. Ein Experiment zur erreichbaren Vertragsgrenze ist erlaubt, wird aber als Boundary-Sweep geführt und nicht mit festen Verträgen vermischt.

3. Statistik und Reproduzierbarkeit

  1. Pilotmessung zur Streuung; daraus Testumfang und benötigte Präzision bestimmen.
  2. Für zentrale A/B-Aussagen als Startprotokoll zehn unabhängige Starts mit variierter Phase/Seed und alternierender Reihenfolge planen. Zehn ist kein universeller Nachweis für beliebig seltene Fehler.
  3. Kalibrierung, Varianten-/Parameterwahl und abschließende Validierung strikt trennen. Ein nach einer Fehlmessung geänderter Parameter braucht frische Tests.
  4. Per-Run-Rohdaten behalten. Aggregate, schlechtester Lauf und Verteilungen ausweisen; korrelierte Tokens/Frames nicht als unabhängige Trials behandeln.
  5. Ein achtstündiger Soak prüft einen gewählten Releasezustand, ersetzt aber weder Start-/Phasenvariation noch Qualifikation anderer Plattformen.
  6. Prognosegüte und tatsächliche Policywirkung getrennt berichten. Ein kleiner Modellfehler kann nahe einer Grenze eine große Vertragswirkung haben.

Keine nachträgliche Entfernung ungünstiger Runs ohne vorab definierte Ausschlussbedingung. Verworfenes Material bleibt mit Grund referenziert.

4. Pflichtmetriken

Ebene Größen
Verbraucher Consumer coverage, zeitgewichtete/Peak-AoI, no_result, längste Lücke, Burstlänge, M/K-Verstöße
Requests angeboten/angenommen/gestartet/ersetzt/abgelehnt/abgebrochen, Deadlines und Antwortalter
Ausführung bestätigte Enden, Unknown-Leases, Recovery-Dauer, In-Flight-Tiefe, tatsächliche Blockierzeit
Prognose Fehler je gültiger Zustandszelle, Unterprognosen, unbekannte/abgelaufene Domänen, Rückfallhäufigkeit
Qualität konkrete Task-Metrik, zulässige Varianten, Ergebnisverwendbarkeit, bei LLM semantischer Fortschritt
Kosten CPU-/RAM-/GPU-Speicher, aktive Energie, Idle-/Reservierungskosten, Integrationsaufwand

„Wasted GPU Compute“ braucht GPU-nahe Messung. Bei parallelen Aufträgen darf die Summe ihrer Wall-Clock-Latenzen nicht als physische GPU-Zeit ausgegeben werden. Copy-, Queue- und Rechenzeiten werden getrennt oder unter ausdrücklich benannter Messgrenze berichtet. Zeichenmenge allein beweist keine gleichwertige LLM-Aufgabenerfüllung.

Prozentpunkte, absolute Fehlerzahlen und relative Faktoren gemeinsam zeigen. Ein großer Faktor aus sehr wenigen Restfehlern trägt keine breite Aussage über beliebige Roboter oder Lasten.

5. Experimentmatrix

ID Versuch Erwartete Unterscheidung
E01 identisches Modell bei verschiedenen tatsächlich beobachteten Betriebszuständen zustandsblindes gegen zustandsabhängiges Profil
E02 periodische Releases gegen Back-to-back Idle-/Warm-/Queuing-Effekte sichtbar
E03 Profil unter falscher Runtime, Engine oder Partition Profil ungültig, keine stille Wiederverwendung
E04 Nebenlast gleicher Slotzahl, aber anderer Modellidentität Occupancy-only gegen gerichtete Kontextdaten
E05 Pairwise-Training, ungemessene Dreiwege-Last keine unbewiesene additive Zulassung
E06 kurze gegen lange Dekodierhorizonte Fortschrittsmodell und tatsächliche Fortsetzungssemantik
E07 gleiche Miss-Rate, isolierte gegen gebündelte Misses Bursts/Versorgungslücken unterschiedlich bewertet
E08 Consumer schweigt, erhält alte oder out-of-order Ergebnisse Nenner, no_result und Gültigkeit bleiben ehrlich
E09 Clock-Anforderung ohne Wirkung / verzögerte Wirkung bestätigter Zustand statt Wunschzustand
E10 kalter Shape-/Graphwechsel unter knapper Deadline Übergangskosten statt Warmprofil
E11 GPU-/Speicherbandbreitenlast außerhalb des Governors Domäne verliert Qualifikation oder nutzt validierten Rückfall
E12 gleiche I/O-Shape, andere Label-/Koordinatensemantik unzulässige Variante abgewiesen
E13 zwei aktive Regler mit gegensätzlichen Stellwünschen Arbitration, Hysterese und Dwell verhindern Schwingen
E14 stateful Verarbeitung mit Supersession/DAG-Cancel keine fachlich unzulässige Löschung oder Reihenfolgeänderung

Auf jeder Zielplattform erst Capabilities lesen und Messplan freigeben. Keine Übernahme von Jetson-Debugfs-Pfaden oder Frequenzen auf andere Boards. Aktuation nur auf freigegebenem Testgerät mit gültiger Wiederherstellungs- strategie; Thermal- und Power-Schutz bleiben aktiv.

6. Fehler- und Lebenszyklustests

Mindestens folgende Fälle als Fake-Executor-Tests, wo möglich zusätzlich als GPU-/Prozesstest des gewählten Backends:

7. Gates

G0 — korrekte Basis

Bestehende Tests, Format und Lints erfolgreich; neue Lebenszyklus- und Metrikrepros erfolgreich; kein offener kritischer Befund im gewählten Scope. Für die im Ausbau neu eingeführten Entscheidungen existieren deterministische Replaytests. B01 ist ausdrücklich kein durch den bisherigen Testlauf erledigtes Gate.

G1 — Profil-/Zustandsintegrität

Falsche Identität, fehlender Readback und ungemessener Zustand werden erkannt. Zulassung nutzt gültige Profile oder einen vorher qualifizierten Rückfall. Messläufe sind wiederholbar und nicht durch stillen Providerwechsel entwertet.

G2 — Policy lohnt sich

Auf dem vorab definierten Kundenlastsatz Verbesserung einer vereinbarten Verbraucherzielgröße, ohne andere Mindestziele zu unterlaufen. Qualität und Hintergrundfortschritt bleiben innerhalb des Vertrags. Alle Läufe und Konfidenz-/Unsicherheitsangaben liegen offen vor.

Kein universeller „2x“-Schwellwert als Ersatz für den Kundennutzen. Als Produktentscheidung muss die Verbesserung den Integrations- und Betriebsaufwand rechtfertigen; diese Schwelle wird in NV-19 konkret vereinbart.

G3 — Mechanismus rechtfertigt zusätzliche Komplexität

Für TensorRT Direct, Graphs, Aktuation, Green Contexts und XSched jeweils separat: Funktionskorrektheit, relevante Verbesserung gegen den nächsteinfacheren Pfad, hinreichend geringer Betriebsaufwand und erfolgreich getesteter Fallback. Ein bestandener Standard-TensorRT-Test gibt keine XSched-/Green-Context-Freigabe.

G4 — begrenzte Produktions-/Pilotfreigabe

G0–G2 und alle verwendeten G3-Prüfungen, qualifizierte Hardware-/Softwarematrix, Dauerlauf auf dem freizugebenden Stand, Fault Injection, nachvollziehbare Installation und Updates, Recovery-/Supportregeln und Securityprüfung im Scope. Der Betreiber akzeptiert Grenzen, Fehlerreaktion und Integration.

Das Resultat ist eine Freigabe für diesen Scope, nicht pauschal „prod ready auf NVIDIA“ und nicht funktional sicher. Eine erste Evaluierung kann vorher auf Prüfstand oder aufgezeichneten Daten erfolgen, ohne sicherheitskritische Aktuation vom Governor abhängig zu machen.

8. Pilot und Vertrieb beginnen vor dem Maximalausbau

Jetzt: kurze technische Gespräche mit mehreren potenziellen Entwicklungspartnern. Keine Behauptung, ein öffentlich genannter NVIDIA-Stack beweise bereits einen konkreten Bedarf oder die Bereitschaft zur Integration.

Angebot: einen realen Engpass auf der bestehenden Pipeline untersuchen, Baseline reproduzieren, Mehrwert gemeinsam messen und nur die notwendige Integration bauen. Ein bezahlter Engineering-Pilot braucht abgegrenzten Aufwand und Abnahmekriterien; kein unbegrenztes Gratis-Customizing.

Erster Pilot bevorzugt:

9. Artefakte je Freigabe

release/feature matrix
hardware + runtime + engine manifest
contract + data + profile revisions
raw traces + failure log + run order
analysis version + all run summaries
independent validation report
installation/update/rollback/recovery runbook
known limitations + operator acceptance

Die Struktur ist ein Artefaktentwurf, kein schon vorhandenes Releaseverzeichnis. Jede erneute Bewertung muss auf diese Nachweise zeigen, nicht auf die Zahl implementierter Features oder geschriebener Rust-Zeilen.