ADR-0006: Interferenzprofiler hinter Gate M3, MVP nutzt Co-Run-Veto
Status: Akzeptiert · 2026-08-31 Betrifft: Spec §13.4 (Interference Matrix), WP12, §25 (Milestone M2)
Kontext
§13.4 und WP12 fordern offline gemessene paarweise Slowdown-Faktoren für relevante Modellpaare.
Bewertung:
Aufwand. Bei N Modellvarianten sind N(N−1)/2 Paare zu messen, je Paar mit stabilem Warmup und ausreichender Samplezahl. Bei 8 Varianten sind das 28 Messläufe. Profile sind zusätzlich an einen Umgebungsfingerprint gebunden (§13.5) und verfallen bei Modell-, TensorRT- oder Triton-Änderung.
Gültigkeit. Reale Überlast hat 3–4 gleichzeitig aktive Modelle. Paarweise Faktoren komponieren nicht zuverlässig zu Tripel- oder Quadrupel-Effekten; Cache-, SM- und Speicherbandbreitenkonkurrenz sind nicht multiplikativ.
Redundanz. Der Online Runtime Estimator (§13.2, WP11) misst die tatsächliche Backend-Laufzeit unter der real herrschenden Nebenläufigkeit. Er beobachtet den Interferenzeffekt also bereits, ohne ihn zu modellieren — exakt die Argumentation, die §13.2 für Taktabsenkung und Temperatur führt:
„Wenn die Hardware aus irgendeinem Grund langsamer wird, steigt die gemessene Online-Laufzeit und der Scheduler reagiert auf den Effekt statt auf die Ursache."
Dieselbe Begründung gilt für Interferenz. Ein teures Offline-Modell für einen Effekt zu bauen, den der billige Online-Schätzer ohnehin sieht, ist vor dem Falsifikationsgate nicht gerechtfertigt.
Entscheidung
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WP12 (automatisierter Interferenzprofiler) wird hinter Gate M3 verschoben.
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Für den MVP wird Interferenz auf ein binäres Co-Run-Veto reduziert. Die Konfiguration kann wenige Paare als
no_corunmarkieren — typischer Fall Detector + VLM. Das Slot-Modell aus ADR-0004 setzt das als Belegungsregel um. Keine Matrix, keine Multiplikatoren, kein Profiler-CLI.
yaml
backend:
slots: 2
no_corun:
- [detector, vlm]
- Der Online Estimator wird pro Slot-Belegungsgrad geführt: beobachtete Laufzeit bei 1, 2, … gleichzeitig belegten Slots. Damit wird der Interferenzeffekt datengetrieben erfasst, ohne ihn offline zu vermessen, und die konservative Prognose bleibt konsistent mit ADR-0004.
Konsequenzen
- Phase 3 wird deutlich kleiner; der Weg zu Gate M3 verkürzt sich.
- Das Feature „interference-aware Zulassung, automatisiert" aus der Wettbewerbsmatrix §3.4 ist im MVP nur teilweise eingelöst. Das ist in der Außendarstellung entsprechend zu kennzeichnen — §3.5 verlangt genau diese Ehrlichkeit.
- Konfigurationsschema und Slot-Modell werden so geschnitten, dass die volle
Matrix später ohne Bruch nachrüstbar ist:
no_corunist der Grenzfallslowdown = ∞.
Reaktivierungsbedingung
Wenn der M3-Benchmark zeigt, dass die Feasibility-Prognose unter Nebenläufigkeit
systematisch danebenliegt und der Online Estimator zu träge nachzieht, wird WP12
reaktiviert. Diese Bedingung ist als explizites Messkriterium im
Benchmark-Report zu führen: Verteilung von
(beobachtete Laufzeit − prognostizierte Laufzeit) aufgeschlüsselt nach
Slot-Belegungsgrad.